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Weihnachtsgedanken oder “Oh please let me sleep, it’s Christmas Time”
Weihnachten. Weihnachten war das letzte Mal toll, als man noch Kind war. Als ich mit meinem kleinen Bruder ins Zimmer hochgeschickt wurde, um vor dem Essen noch ein wenig zu spielen – dabei gings nur darum, uns aus dem Weg zu haben, damit das Christkind kommen kann. Ich war ja nicht blöd. Ich hab’ also so getan, als würden wir spielen. Und mein Bruder, der musste lautstark mit den Legomännchen hantieren und so tun, als würde unser Schiff gerade von Piraten geentert oder so ähnlich, auf jeden Fall stand ich die ganze Zeit mit dem Ohr an die Türe gedrückt in den Startlöchern, um auf jeden Fall die Erste zu sein, die das Christkind (das, nebenbei, bei uns zu Hause immer mit einem Glöckchen klingelte, wenns durchs Fenster geflogen kam) hören würde. Und beim ersten Glockenton sprintete ich los, während mein Bruder noch verdutzt ein Legomännchen in der Hand hielt. Aber es war egal, wie schnell ich war, bis ich die Stube erreichte, wars immer schon zu spät. Das Fenster stand sperrangelweit offen und meine Eltern davor. “Sieh mal, vielleicht kannst du’s noch davonfliegen sehen”. Nie. Ich habs nie gesehen. Und wären keine Geschenke da gewesen, hätte ich geschmollt. Es ging gar nicht um die Geschenke, die waren blosse Ablenkung um mich darüber hinweg zu trösten, dass ich das Christkind schon wieder nicht gesehen hatte. Und in jedem Jahr schwor ich mir, noch schneller zu sein, und schmiedete Pläne, wie man am effektivsten von meinem Zimmer in die Stube kam.
Später bin ich einmal spät nachts, als meine Eltern endlich schliefen, aufgestanden, hab’ meinen Bruder geweckt und wir machten uns zur “Operation Wohnzimmer” auf. Das Christkind hatte uns da die erste Spielkonsole mitgebracht. Ich glaubte nicht mehr ans Christkind, aber mein Bruder schon. Jetzt war er es, der sich an die Türe drückte, während ich so tat, als würde ich den ganzen Trubel nicht verstehen. Und ich musste mich immer ein wenig zusammenreissen um nicht loszuprusten, wenn er – so wie ich früher – beim ersten Glockenton die Treppe hinunterraste. Na auf jeden Fall schlichen wir uns die Holztreppe hinunter (irgendwann – später in Teenie-Jahren kam mir das sehr zu Gute – hatte ich herausgefunden, auf welche Stellen der Stufen man treten konnte, ohne ein Knarren zu verursachen) und spielten die ganze Nacht durch. Der Reiz war nicht das Spiel, sondern im Dunkeln und Pyjama neben dem Baum zu sitzen und so leise wie möglich zu sein, damit unsere Eltern auf keinen Fall wach wurden. Am nächsten Morgen war die Schokolade alle und uns beiden schlecht – für den Rest der Ferien wollten wir beide keine Süssigkeiten mehr sehen.
Weihnachten bedeutet mir heute nicht mehr viel, zumindest nicht, wenn keine Kinder im Raum sind. Und darum ist mir das Herumwühlen in Erinnerungen lieber als das Auspacken von Geschenken. Also werde ich mir heute im Kreis der Familie den Gong geben und mir nachher frustriert eine DVD reinziehen, die weder mit Weihnachten noch mit Liebe im klassischen Sinn was zu tun hat, denn davon werden wir ja schon von der Glotze überschwemmt und wenn ich noch einmal, nur EINMAL noch den Trailer von irgendeiner Hollywoodromanze sehe, kann ich für nichts mehr garantieren und biete mich Wildfremden als Liebessklavin an. Oder ich ende Bridget Jones-mässig “All by myself”-singend im Morgenrock auf meinem Sofa. Nein, ich glaube, “Shaun of the Dead” macht heute das Rennen. Passt. Ja dann. Frohe Weihnachten allerseits.
PS: beim zitierten Titel handelt es sich um MEINEN Lieblings-Weihnachtssong. Alle Jahre wieder: Pearl Jam.
Yawn.
Aufstehen in diesen Tagen verstösst gegen das Folterverbot – wir stimmen darüber ab, ob wir Minarette wollen (ich gehöre zu den 43 %, nur nebenbei), aber niemand stellt eine Pro-Winterschlaf-Initiative auf. Geht ja auch gar nicht, schon klar. Aber schön wärs. Die Wohnung schon im September mit allen nötigen Vorräten vollstopfen, sich noch einen Monat lang mit allen Freunden treffen und im November einfach die Bettdecke über den Kopf ziehen, adieu du schnöde Welt! Bis im Frühling, wenn alles wieder auftaut. Bleib’ wie du bist, nein, werd’ doch ein bisschen besser.
Ich wünsch mir nichts zu Weihnachten ausser ein bisschen Schlaf, das ist nicht viel. Das geht sicher ok. War ja auch ganz brav dieses Jahr. Aber bitte lass das mit der Schlaflosigkeit, ich mag nicht jede Nacht erst um Fünf in der Früh die Einfahrt zur Traumstrasse finden. Vor allem nicht in den letzten Tagen des Jahres, durch die ich eh schon auf allen Vieren krieche. Bin nächstes Jahr auch noch netter, versprochen.
PS: Ich geh’ jetzt ins Bett, enttäusch’ mich also bitte nicht.
Momentaufnahme
Hab’ keine Lust, Couch ist viel zu bequem. Vielleicht morgen, oder nie.

