Die von dort

omnia mea mecum porto

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Geschrieben von die von dort

Mai 15, 2011 um 11:30

Veröffentlicht in Gefühlt

Because You’re Not Here Anymore

Seit Monaten versuche ich es immer wieder. Den Stift in die Hand zu nehmen, oder die Finger auf der Tastatur zu bewegen – mit dem Ergebnis, dass es einfach nicht geht, die Finger starr verharren. Weil du nicht mehr da bist, und das Niederschreiben diesen unleugbaren Zustand nur wahrer machen würde, denn fehlen tust du ja überall. Und weil ich ohnehin nicht weiss, wo ich anfangen sollte.

Du bist einfach nicht mehr da. Natürlich, der Tag würde kommen, das wird wohl jedem Kind irgendwann bewusst. Aber dein Kopf sagt dir „irgendwann, vielleicht mit Vierzig oder so, denk doch jetzt nicht schon an solche Sachen“ – ich bin 24. Und an meinem 24. Geburtstag warst du nicht mehr da.

Ich kann nicht vergessen, wie du dagelegen hast. Und finde keine Worte dafür. Du hast so friedlich ausgesehen, als träumtest du gerade etwas Wunderbares. Aber da war kein Atmen zu hören, da war einfach nichts zu hören. Und ich kann nicht vergessen, wie ich deine Hand berührt habe, wie ich deinen Namen wieder und wieder gerufen habe. Du hättest einfach aufwachen sollen und wir hätten, wie verabredet, essen gehen sollen – du weisst gar nicht, wie sehr ich mich auf diesen Abend gefreut habe. Stattdessen flüchtete ich aus dem Schlafzimmer, tippte mit zittrigen Händen die Nummer der Ambulanz ein. Die Stimme am anderen Ende hat sich in mein Hirn eingebrannt, und in diesem Moment habe ich begriffen, dass es zu spät ist, egal wie schnell der Krankenwagen da wäre. Ich wusste auch gar nicht, was ich sagen sollte. Deine Hand war so kalt – deine grosse, starke Hand, die mich schon als Baby hielt, die mich mein ganzes Leben lang an der Hand genommen hat, immer wenn ich diesen Halt brauchte – ich hätte in diesem Moment nichts mehr gebraucht.

Mama geht einmal im Jahr ohne dich in die Ferien, und gerade dann war sie nicht da. Mein Bruder in Übersee, sein Talent für die Zukunft zeigend – du sagtest am Abend vorher noch, du geniessest die sturmfreie Bude und freuest dich auf unser Vater-Tochter-Essen. Niemand war da, und du am allerwenigsten.
Was mir blieb? Eine meiner engsten Freundinnen und acht Fremde, alle versammelt in der Küche, die ich kenne, seit ich denken kann. Und die in diesem Moment fremder wirkte als jedes Hotelzimmer.

Die Zeit lässt die Konturen dieser Bilder verschwimmen, hört man. Es sind jetzt sechs Monate – was ist das im Verhältnis zu 23 Jahren? Manchmal bleibt mir der Atem stocken, weil die Bilder so real vor meinem Auge auftauchen. Für alle anderen geht das Leben spätestens nach der Beerdigung weiter, für mich blieb es stehen. Dass wir bald Jahresende haben, unfassbar. Und trotzdem weiss man instinktiv, es muss weitergehen, und weiss nicht, wie man mit dem weitergehen beginnen soll.

Du warst mir der liebste Mensch auf dieser Welt. Ich weiss nicht, wie ich das anders formulieren könnte, wie ich überhaupt aufzählen könnte, wann und wieso du mir fehlst. Jeder Mensch ist für sich etwas ganz Besonderes, etwas Unformulierbares und darum lass’ ichs – du weisst ja, wie gern ich dich habe. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich nie mehr mit dir in der Küche sitzen und diskutieren kann. Dass ich dir nie mehr beim Kochen zusehen kann. Dass ich dich nicht anrufen und um Rat fragen kann. Und deine Wärme nirgends mehr zu spüren ist. Dass du nie – sollte es mal soweit sein – deine Enkel kennenlernen und mit ihnen im Garten spielen wirst. Es bricht mir das Herz, wenn ich an alle diese Dinge denke, und trotzdem Paps, ich bin so stolz auf dich wie du’s auf mich warst – du hättest mir in nichts ein besserer Vater sein können.

Von Zeit zu Zeit denke ich, man würde besser darin. Besser, jemandem zu erkären, was passiert ist. Man wird es nicht.

Geschrieben von die von dort

November 25, 2010 um 00:14

Veröffentlicht in Gelebt, Offenherzig

Quote.

mit einem Kommentar

Man muss die Liebe retten, selbst wenn es niemanden mehr gibt, auf den sie passt. Das verteidige ich.

- Roger Willemsen, „Kleine Lichter“

Geschrieben von die von dort

März 11, 2010 um 08:10

Veröffentlicht in Zitiert

Politics

mit 2 Kommentaren

Das etwas andere Wahlkampfplakat. Gefällt. Schade, wohne ich nicht hier.

Geschrieben von die von dort

März 9, 2010 um 12:37

Veröffentlicht in Gesichtet

Like a shadow on the wall

mit 2 Kommentaren

Anstatt unter der Decke vergrabe ich mich in den Büchern – ein Häkchen hinter ein durchgelesenes Kapitel zu setzen, verschafft mir eine Art Befriedigung, wie Sexabenteuer es bei andern bewirken. Dazwischen kommt Panik vor dem Sommer auf. Wenns gut geht, zwei weitere Jahre in diesem Nebel, wenns schief geht, eine Suche nach Plan B – was davon ich bevorzugen würde, weiss ich selbst nicht so ganz. Gewissheit, in jedem Fall.

Ich sitze  zwischen Stühlen, Menschen, Orten und so ziemlich zwischen mir selbst, dem was war, dem was ist und dem, was  kommt. Das einzig Wegweisende sind Gesetze, Paragraphen und Prüfschemata, die alle sorgsam auseinandergenommen und interpretiert werden wollen.

Geschrieben von die von dort

März 2, 2010 um 20:55

Veröffentlicht in Offenherzig

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